Während des Engagements

Weiterbildung

Für viele steht bei einem Freiwilligenengagement die Aktivität im Vordergrund, Lernen ist eher Nebensache. In vielen Bereichen brauchen Freiwillige aber neben der persönlichen Eignung auch fachliches Wissen, um ihre Aufgabe gut ausführen zu können. Deshalb ist es sinnvoll, Freiwilligen Schulungen und Beratungen anzubieten. Die meisten Freiwilligen schätzen die Möglichkeit Neues kennen zu lernen und ihr Wissen zu erweitern (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 139).

Lernen während der Freiwilligenarbeit

Wer sich freiwillig engagiert, lernt automatisch auch Neues. So können die eigenen Kompetenzen erweitert (bsp. durch Leiten und Führen, Kooperation, Kommunikation), bestimmte Fertigkeiten erlernt (bsp. Umgang mit  technischen Geräten, Erste Hilfe) oder neues Wissen erworben werden (bsp. durch Begegnungen und Gespräche). Dieses Lernen geschieht unsystematisch und zufällig und kann als informelles Lernen bezeichnet werden. 
Es lohnt sich daneben auch gezielt das Wissen und Können der Freiwilligen in den Blick zu nehmen und das Lernen systematisch zu unterstützen und zu fördern (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 140). Geschieht dies und werden mehr oder weniger durchorganisierte Lernangebote durchgeführt, lässt sich Freiwilligenarbeit auch als non-formale Bildung bezeichnen, die ausserhalb klassischer Bildungsinstitutionen stattfindet (vgl. SAJV 2014). Der Bedeutung dieser Form des Lernens wird Rechnung getragen, indem die absolvierten Weiterbildungen der Freiwilligen nachgewiesen werden, bsp. im DOSSIER FREIWILLIG ENGAGIERT
 

Formen der Weiterbildung

Es gibt sehr unterschiedliche Formen von Lern- oder Weiterbildungsangeboten. Diese können bsp. weniger durchorganisierte, niederschwellige Angebote sein, bei denen der Erfahrungsaustausch im Vordergrund steht oder klassische Weiterbildungen wie Kurse, Seminare, Vorträge oder E-Learning (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 140). Je nach Einsatzgebiet der Freiwilligen oder deren Vorkenntnisse bieten sich andere Formen der Weiterbildung an. Am besten holt man die Bedürfnisse der Freiwilligen ab und bietet Unterschiedliches an, damit für jeden und jede etwas Passendes dabei ist. Nicht zu vergessen ist, dass Lern- und Weiterbildungsangebote auch eine Anerkennungsform für die Freiwilligen sind, ihre professionelle Leistung steht dabei im Vordergrund.

Erfahrungsaustausch

Ein Erfahrungsaustausch in Gruppen fördert das Nachdenken über den eigenen Einsatz, ermöglicht neue Sichtweisen und hilft, Ideen bzw. Lösungen bei Schwierigkeiten zusammen zu tragen. Gleichzeitig treffen Freiwillige, die oft alleine in ihrem Einsatzgebiet arbeiten, andere engagierte Menschen und fühlen sich ernst genommen.

Weiterbildungen

Gezielte Schulungen und Weiterbildungen für Freiwillige sind eine lohnende Investition, da dies die freiwillige Arbeit professionalisiert und die Freiwilligen für ihre weitere Arbeit motivieren kann. Ob Weiterbildungen für Freiwillige verpflichtend sein sollen, ist nicht leicht zu beantworten. Falls die Freiwilligen Aufgaben übernehmen, bei denen Weiterbildungen notwendig sind, sollten Sie dies bereits vor dem Engagement kommunizieren. Dadurch signalisiert die Organisation auch ihr Interesse an gut ausgebildeten Freiwilligen. Vielfach empfinden die Freiwilligen solche Weiterbildungen als notwendig, entlastend und bereichernd. Bei den meisten anderen Einsatzgebieten empfiehlt es sich die Teilnahme als nicht obligatorisch festzuhalten. In solchen Fällen kann die Weiterbildung als besondere Zugabe oder Auszeichnung angeboten werden. Man lernt leichter und lieber, wenn man sich selbst dafür entscheidet (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 141).

Die Mitgliedorganisationen des SRK bieten ein umfangreiches Angebot an Lern- und Weiterbildungsangeboten an.

Planung und Vorbereitung von Weiterbildungen

Es gibt einiges zu beachten bei der Planung und Vorbereitung von Weiterbildungsangeboten. Die folgenden Punkte geben einen Überblick dazu (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 149, 150):

Thema/Inhalt/Ziel: Was soll gelernt werden?

  • Was soll angeboten/woran soll gearbeitet werden?
  • Was ist daran für Freiwillige interessant, wissenswert?
  • Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten sind zur Erfüllung der anstehenden Aufgaben nötig?
  • Was sollen die Teilnehmenden am Ende wissen, können, erfahren haben?

Zielgruppe: Wer soll teilnehmen?

  • Wer soll angesprochen werden (ausschliesslich Freiwillige aus der eigenen Organisation; Freiwillige aus verschiedenen Organisationen)?
  • Ist die Teilnahme verpflichtend und eine unbedingte Voraussetzung für die freiwillige Tätigkeit?
  • Was macht es für die Freiwilligen attraktiv an der Weiterbildung teilzunehmen?
  • Welche Vorerfahrungen, Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten bringen die Teilnehmenden zu diesem Thema bereits mit?
  • Welche Lernerfahrungen haben die Teilnehmenden bisher gemacht?
  • Welche speziellen Fragen beschäftigen sie?

Format und Methoden: Wie soll gelernt werden?

  • Welches Format ist für die Inhalte angemessen (Vortrag, Seminar, Kursfolge, Tagesveranstaltung, Info-Abend, schriftliches Material, E-Learning)?
  • Welche Methoden helfen den Teilnehmenden, ihre eigenen Entdeckungen zu machen?
  • Welche Methoden unterstützen den Erfahrungsaustausch?
  • Mit welchen Methoden entwickeln die Teilnehmenden Spass am Lernen?
  • Welche geselligen Angebote sind ergänzend möglich?

Referenten: Wer leitet die Weitebildung?

  • Wird ein externer Referent oder eine externe Referentin eingesetzt oder leitet ein interner Mitarbeiter oder eine interne Mitarbeiterin die Weiterbildung?
  • Welche Informationen braucht der Referent oder die Referentin über die Einsatzgebiete der Freiwilligen?
  • Was sollte der Referent oder die Referentin über die Gruppenzusammensetzung wissen?
  • Welchen Bezug hat der Referent oder die Referentin zum freiwilligen Engagement – welche Erfahrungen bringt er oder sie mit?

Rahmenbedingungen: Worauf müssen wir uns einstellen – was können wir gestalten?

  • Welche Zeiten und welcher Zeitumfang sind für die Freiwilligen machbar?
  • Welche Räume stehen zur Verfügung?
  • Wie gross soll/kann der Teilnehmendenkreis sein?
  • Welche technische/materielle Ausstattung ist nötig? Welche Rahmenbedingungen stehen fest? Welche können gestaltet werden?

Freiwilligenkarrieren planen

Freiwillige verändern sich im Laufe ihres Engagements. Sie lernen dazu, erwerben neue Kompetenzen und entwickeln sich weiter. Dies kann dazu führen, dass sie nach einer Weile neue Herausforderungen suchen und ihr Aufgabenprofil anpassen möchten. Denkbar ist, dass mehr Aufgaben übernommen werden, sie sich in einem ganz anderen Aufgabengebiet einsetzen möchten oder bsp. ein Ehrenamt übernehmen wollen (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 157). In einer solchen Situation ist es wichtig, den Freiwilligen verschiedene Optionen anbieten zu können um den Bedürfnissen der Freiwilligen gerecht zu werden. Andernfalls werden sich die Freiwilligen möglicherweise bei einer anderen Freiwilligenorganisation engagieren.