Während des Engagements

Partizipation

Wenn sich Freiwillige in einer Organisation engagieren, möchten sie nicht nur Gutes tun, sondern interessieren sich auch dafür, dass ihre Aktivitäten sinnvoll sind und Wirkung zeigen (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 66). Dies bedeutet, dass Freiwillige bei der Ausgestaltung ihrer Aufgabe mitreden möchten. Sie wollen Verantwortung übernehmen und verstehen es als Anerkennung für ihren Einsatz, wenn ihre Ideen aufgegriffen und bestenfalls sogar umgesetzt werden. Es muss also Raum für Partizipation geben.

Bedeutung der Partizipation

Partizipation bedeutet wörtlich Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung oder Mitbestimmung und beschreibt den Prozess der strukturierten Einbeziehung von Freiwilligen in Entscheidungs- und Mitbestimmungsprozesse (vgl. DRK 2013: 81).
Ermöglichen Sie den Freiwilligen Gestaltungsspielräume bzw. Partizipation in ihrer Organisation, hat das einige Vorteile (vgl. DRK 2013: 82; Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 67):

  • Die Freiwilligen sind an der Basis aktiv, haben einen anderen Blickwinkel auf die Dienstleistungsqualität und ein offenes Ohr für das, was vor Ort geschieht. Dadurch können die Freiwilligen helfen die Organisation weiterzuentwickeln und den Anschluss an die gesellschaftliche Realität nicht zu verpassen. 
  • Die Möglichkeit der Mitbestimmung, aktiven Veränderung und Selbstbestimmung stellt einen entscheidenden Motivationsfaktor für die Freiwilligen dar.
  • Freiwillige lernen durch Partizipation und können sich selbst weiterentwickeln.
  • Durch die Festlegung von klaren Wegen der Mitbestimmung kann Interessenskonflikten bsp. zwischen Mitarbeitenden und Freiwilligen vorgebeugt werden. 
  • Durch Mitbestimmung der Freiwilligen kann sich die Qualität der Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige verbessern. 

Um Partizipation zu ermöglichen müssen Strukturen in Ihrer Organisation so verändert werden, dass Freiwillige die Möglichkeit erhalten mitzusprechen, mitzuentscheiden und Feedback zu geben (vgl. DRK 2013: 82).
 

Analyse bestehender Partizipationsmöglichkeiten

Folgende Fragen können Ihnen helfen herauszufinden welche Partizipationsmöglichkeiten zurzeit in Ihrer Organisation bestehen und wo Handlungsbedarf angezeigt ist (vgl. DRK 2013. 84):

  • Welche Formen der organisierten und strukturierten Einbeziehung Freiwilliger haben wir bereits?
  • Wo können/sollen/dürfen unsere Freiwilligen eigenständig entscheiden und handeln?
  • Über welche Möglichkeiten verfügen wir, um neue Ideen von Freiwilligen zu berücksichtigen?
  • Welche Kommunikationsformen ermöglichen bei uns Partizipation?
  • Haben Freiwillige die Möglichkeit Kritik und Anregungen einzubringen und zu äussern? Wenn ja, wie?
  • Gibt es Dinge, die gemeinsam oder ausschliesslich von Freiwilligen entschieden werden können/sollen/müssen?
  • Welche Ebene der Partizipation möchten wir in unserer Organisation umsetzen? Welche Form der Mitbestimmung ist nötig und möglich?
  • Wie möchten sich unsere Freiwilligen einbringen?
  • Kennen die Freiwilligen alle ihre Pratizipationsmöglichkeiten?

Ebenen und Formen der Partizipation

Es können fünf Ebenen der Partizipation unterschieden werden. Jede Organisation muss sich Gedanken darüber machen auf welcher Partizipations-Ebene die Freiwilligen eingebunden werden.

  1. Ebene – Informieren: Die Entscheidungsträger informieren die Freiwilligen über die getroffenen Beschlüsse.
  2. Ebene – Befragen: Die Freiwilligen werden während des laufenden Prozesses befragt.
  3. Ebene – Beraten: Die Freiwilligen haben vor der abschliessenden Entscheidungsfindung eine beratende Funktion und können so ihre Ideen und Visionen einbringen. 
  4. Ebene – Mitentscheiden: Mitarbeitende und Freiwillige teilen sich die Entscheidungsbefugnis. Die Freiwilligen können mitgestalten und mitwirken.
  5. Ebene – Selbstbestimmen: Freiwillige entscheiden autonom, ergreifen selbstbestimmt die Initiative und setzen Projekte um. 

Formen der Partizipation

Am besten bieten Sie den Freiwilligen unterschiedliche Möglichkeiten zur Mitbestimmung an. Die Entwicklung von Gestaltungsräumen können Sie gemeinsam mit den Freiwilligen vornehmen, denn so wird Partizipation authentisch und glaubwürdig. 
Die Interessen von Freiwilligen sind unterschiedlich. Für einige mag es angenehm sein, nichts entscheiden zu müssen und ausschliesslich die freiwillige Tätigkeit wahrzunehmen. Partizipation heisst auch Verantwortung zu übernehmen und das möchte nicht jeder und jede im gleichen Masse. Andere Freiwillige fühlen sich aber vielleicht übergangen, wenn Entscheidungen ohne sie getroffen werden. Durch passende Formen der Partizipation kann die Motivation der Freiwilligen und damit die Nachhaltigkeit und Langfristigkeit ihres Engagements positiv beeinflusst werden. Im Folgenden werden einige Formen der Partizipation genannt (vgl. DRK 2013: 83):

  • Regelmässige Information von und für Freiwillige: Bsp. E-Mail Newsletter speziell für Freiwillige, Mitgliederblatt oder Zeitung von/für Freiwillige, Eigene Rubrik auf der Webseite oder in sozialen Netzwerken wie Facebook
  • Beschwerdeverfahren, bsp. in Form eines Kummerkastens
  • Wählen einer Interessenvertretung 
  • Einladung zu Teamsitzungen von Mitarbeitenden
  • Veranstaltung von regelmässigen Teamsitzungen, bei der Freiwillige die Möglichkeit haben eigene Themen einzubringen
  • Jährliche stattfindende Teamsitzungen mit Freiwilligen und Mitarbeitenden
  • Mittel für eigene Projekte zur Verfügung stellen
  • Freiwillige dabei unterstützen eigene Projekte zu entwickeln und umzusetzen, Raum geben, indem Ideen entstehen können, bsp. Einführung einer Ideenbox
  • Freiwillige regelmässig nach ihrer Meinung, ihrer Einschätzung und ihren Erfahrungen fragen, bsp. in Form von Umfragen oder während persönlichen Gesprächen
  • Freiwillige für Vorstandsarbeit gewinnen

Mitgliedschaft und Ehrenamt

In den Rotkreuz-Rettungsorganisationen sind alle Freiwilligen gleichzeitig Mitglieder des Verbands. In den Rotkreuz-Kantonalverbänden hingegen sind die Freiwilligen nicht zwingend Mitglieder und die Mitglieder leisten nicht alle Freiwilligenarbeit. Die Geschäftsstelle SRK empfiehlt die Freiwilligen gleich zu Beginn des Engagements als Vereinsmitglieder zu gewinnen. Werden die Freiwilligen mit Beginn ihres Engagements nicht automatisch Mitglied in Ihrer Organisation bzw. Ihrem Verein, weisen Sie Ihre neuen Freiwilligen darauf hin, dass sie die Möglichkeit dazu haben. Empfehlen Sie Ihnen, diese Gelegenheit zu nutzen. So können nämlich die Freiwilligen mitreden und mitbestimmen, und dabei helfen, Ihre Organisation weiterzuentwickeln. Davon profitieren alle!
Falls eine Mitgliedergebühr verlangt wird, sollte diese bei Freiwilligen entweder geringer ausfallen oder besser noch weggelassen werden. Schliesslich engagieren sich die Freiwilligen schon genug für die Organisation bzw. den Verband. 

Partizipation durch Ehrenamt

Die Mitgliedorganisationen des SRK werden ausschliesslich von Ehrenamtlichen, also von Freiwilligen geleitet. Eine solche ehrenamtliche Führung wahrzunehmen bedeutet auch eine grosse Verantwortung. Diese Freiwilligen übernehmen eine besondere Funktion und prägen die Entwicklung der Organisation entscheidend mit.
Ein Vorstand soll die strategische Führung der Organisation übernehmen und das wesentliche im Auge behalten (Ziele, Pläne, Vorgaben, Grundsätze). Bauen Sie dazu gezielt Instrumente auf und nutzen Sie diese. 
Die Attraktivität der Ämter spielt eine wichtige Rolle – insbesondere auch für die Nachfolgeplanung. Überprüfen Sie gegebenenfalls die Rahmenbedingungen in Ihrer Organisation. Wir empfehlen Ihnen, eine Amtszeitbeschränkung einzuführen und Ämterkumulation zu vermeiden bzw. zu untersagen. Damit ermöglichen Sie auch neuen, interessierten Freiwilligen im Vorstand Fuss zu fassen und sie fördern die Effizienz ihrer Organisation, indem sie persönliche Kompetenzen vor Repräsentativität stellen.
 

Partizipation in der Jugendarbeit

In der Jugendarbeit ist dem Aspekt der Partizipation speziell Rechnung zu tragen. Jede Organisation sollte sich bewusst sein, wie sie mit jungen Freiwilligen zusammenarbeiten will. Meist schätzen es junge Freiwillige wenn man ihnen im Verlauf ihres Engagements mehr Verantwortung überträgt und sie möglichst selbstständig arbeiten können. 
Auch in Vorständen sollten Jugendliche und junge Erwachsene vertreten sein. Mit der Strategie 2020 verfolgt das SRK das Ziel eine angemessene Vertretung junger Menschen in den Ämtern verschiedener Organe und Delegationen anzustreben.