Beginn des Engagements

Gewinnung

Die Freiwilligen sind für das SRK essentiell. Viele Dienstleistungen könnten ohne Freiwillige nicht angeboten werden, viele lokale Vereine und Sektionen des SRK würden ohne Freiwillige oder Ehrenamtliche nicht existieren. Es ist deshalb wichtig, nebst der Pflege bestehender Freiwilligengruppen, neue Freiwillige zu gewinnen. Dazu gehört auch die Entwicklung von neuen Einsatzmöglichkeiten oder die Weiterentwicklung von bestehenden Einsatzmöglichkeiten. Dadurch können die Angebote für Freiwillige und die Gruppe der Freiwilligen gezielt diversifiziert werden.

Motive und Motivation der Freiwilligen

Zur Gewinnung von Freiwilligen, aber auch zum besseren Verständnis von aktiven Freiwilligen, lohnt es sich die Motive der Freiwilligen zu kennen. 

Motive aus der Forschung

Die Befragung des Freiwilligenmonitors 2009 zeigte, dass der Spass an der Tätigkeit eine zentrale Rolle spielt in der Freiwilligenarbeit. Wie bereits erwähnt gibt es eine Reihe weiterer selbstbezogener Motive, wie das Zusammensein mit anderen, die Erweiterung der eigenen Kenntnisse und Erfahrungen oder den Nutzen für die berufliche Laufbahn. Daneben gibt es Motive, die uneigennützig sind, wie der Wunsch mit anderen etwas zu bewegen oder anderen Menschen zu helfen (vgl. Stadelmann-Steffen et al. 2010: 88). 

In einer Studie der ETH wurden die Motive der SRK-Freiwilligen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Werthaltung, das Lernen und der Selbstwert die wichtigsten Motive für ein freiwilliges Engagement darstellen. Zum Vergleich mit anderen Ländern sind bei den SRK-Freiwilligen die Motive Berufsergänzung und Karriere ebenfalls stark ausgeprägt. 
Freiwillige haben sehr unterschiedliche Hintergründe und bringen verschiedene Motivlagen mit. Diese individuellen Interessen und Motive sollten berücksichtigt werden, fragen Sie also im Erstgespräch oder bei anderen persönlichen Begegnungen danach (vgl. DRK 2013: 31). 

Tätigkeitsmerkmale und Motivation der Freiwilligen

Einige Studien haben herausgefunden, dass die spezifische Gestaltung einer Tätigkeit die Motivation von Freiwilligen positiv beeinflussen kann. Folgende Faktoren fördern die Motivation, Zufriedenheit und die Leistung der Freiwilligen (vgl. Neufeind/Wehner o.J.: 8).

  • Vielfalt der Aufgaben: Eine möglichst grosse Bandbreite an Aufgaben während des Engagements.
  • Geschlossenheit: Vollständige, in sich abgeschlossene Aufgaben, das heisst bsp. ein Projekt von A bis Z mitzuerleben.
  • Bedeutsamkeit der Aufgabe: Möglichst grosse, positive Wirkung des freiwilligen Einsatzes auf das Leben anderer Menschen.
  • Autonomie: Die Freiheit und Unabhängigkeit, selbstständig Entscheidungen zu treffen.
  • Rückmeldung durch die Tätigkeit: Aufgaben sind so gestaltet, dass der/die Freiwillige erkennt, welche Erfolge sein/ihr Engagement bringt.
  • Rückmeldung durch andere: Andere Freiwillige, aber auch Mitarbeitende geben den Freiwilligen positive Rückmeldungen über ihre Tätigkeit. 

Tätigkeitsprofil

Um gezielt Freiwillige für Einsätze zu finden, ist es wichtig ein Tätigkeitsprofil zu erstellen. Dies hilft Ihnen auf der einen Seite, die geeignete Zielgruppe für Ihre Einsätze zu definieren, anzusprechen und zu gewinnen. Auf der anderen Seite können Sie damit sicherstellen, dass Personen, die sich für Freiwilligenarbeit interessieren, ihre Stärken einbringen können und keine Erwartungen enttäuscht werden. 

Erstellung der Profile

Im Tätigkeitsprofil werden die Aufgaben der zukünftigen Freiwilligen und Anforderungen, die sie erfüllen sollen, möglichst genau umschrieben. Ein Tätigkeitsprofil sollte folgende Fragen beantworten (vgl. DRK 2013: 35; Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 106):

  • Was ist das Ziel des Einsatzes?
  • Was genau tun die Freiwilligen während ihrem Engagement?
  • Was gehört nicht zu ihren Aufgaben?
  • Wie viel Zeit müssen Freiwillige investieren, einerseits für die anfallenden Aufgaben, andererseits für Weiterbildungen, Austauschtreffen usw.?
  • Wann beginnt das Engagement und wann endet es?
  • Welche Fähigkeiten und Kompetenzen, welche Interessen sollten Freiwillige für diese Aufgaben mitbringen?
  • Werden für das Engagement Arbeitsmittel benötigt (bsp. Auto beim Fahrdienst)?
  • Was bieten wir den Freiwilligen (bsp. Weiterbildungen, Versicherung, Spesen, Begleitung)?

Achten Sie beim Erstellen des Tätigkeitsprofils darauf, den persönlichen und gesellschaftlichen Nutzen sowie die Freude am Engagement in den Vordergrund zu stellen. 
Die erarbeiteten Tätigkeitsprofile sind die Grundlage für die Gewinnung von Freiwilligen. Es bietet sich an, diese in der Öffentlichkeitsarbeit zu verwenden, bsp. auf der eigenen Webseite, in Social Media, auf Flyern oder in Zeitungsannoncen; je nach Zielgruppe, die Sie für die Freiwilligenarbeit gewinnen möchten. 

Fehlende Diversität der Profile

Durch die Erstellung von Tätigkeitsprofilen setzen Sie sich grundlegend mit Ihren angebotenen Einsatzmöglichkeiten auseinander. Möglicherweise bemerken Sie dabei, dass immer ähnliche Fähigkeiten und Kompetenzen von Freiwilligen gefordert werden oder der Zeitaufwand bei allen Einsätzen sehr hoch ist. Dies sind Zeichen dafür, dass die bestehenden Einsatzmöglichkeiten zu einseitig sind und diese diversifiziert werden sollten (vgl. DRK 2013: 35). Möglicherweise bemerken Sie aber auch, dass die Aufgaben oder die geforderten Kompetenzen zu viel sind für Freiwillige. Womöglich können die Aufgaben dann noch mehr aufgeteilt werden auf verschiedene Freiwillige mit unterschiedlichen Tätigkeitsprofilen? Oder es zeigt sich, dass die Aufgaben von bezahlten Angestellten übernommen werden müssen. 
 

Freiwillige gewinnen

Sobald die Rahmenbedingungen für Freiwilligenarbeit geklärt sind und ein oder mehrere Tätigkeitsprofile vorliegen, kann mit der gezielten Suchen nach Freiwilligen begonnen werden.

Attraktivität der Angebote betonen

Bei der Gewinnung von Freiwilligen sollte die Attraktivität der Angebote betont werden. Die wahrgenommene Attraktivität eines Angebots hängt mit der jeweiligen Zielgruppe und deren Interessen und Motiven ab. Wenn Sie Studierende, aktive Senioren und Seniorinnen oder Migranten und Migrantinnen ansprechen möchten, kann es helfen unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund zu stellen. Folgende Faktoren können als attraktiv empfunden werden (vgl. DRK 2013: 48, 49):

  • Hohes Wirksamkeitsgefühl (die Freiwilligen sehen und spüren, dass ihre Tätigkeit Wirkung zeigt)
  • Besondere Zielgruppen (wie Kinder, Senioren, Migrantinnen)
  • Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Freiwillige
  • Hoher Grad an Selbstorganisation, Verantwortung und Selbstbestimmung
  • Öffentlichkeitswirksamkeit des Angebots
  • Innovations- und Seltenheitswert des Angebots
  • Gute, strukturierte und verbindliche Begleitung
  • Guter Ruf der Organisation
  • Möglichkeit mit anderen Freiwilligen zusammen zu arbeiten oder in Kontakt zu kommen

Werbemöglichkeiten

Je nachdem wen Sie ansprechen möchten, gibt es verschiedene Mittel und Wege um Freiwillige zu gewinnen. Hier einige Ideen (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 112):

  • Öffentliche Medien: Artikel und Annoncen in Zeitungen, Inserate in Vereins- und Lokalzeitungen, Kurzspot im Fernsehen, Werbespot im Radio, Sachbeitrag im Radio
  • Drucksachen: Flyer mit allgemeinen Informationen (die an gezielten Orten aufgelegt werden können), Plakate, Poster, Postkartenaktionen, Aushänge an schwarzen Brettern, Visitenkarten, Infobroschüre, Zeitschriften
  • Internet: Webseiten der Organisation (mit Kontaktformularen), Freiwilligenjob-Börsen bsp. Benevol-jobs, Social Media wie Facebook/Blogs/Twitter/Flickr, «Wir suchen…» am Mailende
  • Direkte Ansprache: An Orten mit hohem Publikumsverkehr, Standaktionen, Messen, Infostand in der Fussgängerzone, Hinweise während Kursen für die breite Öffentlichkeit
  • Give aways: Tasche, Sonnenbrillen, Lesezeichen, Pflaster, Weihnachtskugeln, Schlüsselanhänger
  • Kooperationen: Bsp. mit Schulen, Jugendtreffs, Senioreneinrichtungen, Unternehmen, Migrantenorganisationen
  • Freiwillige: Mund-zu-Mund Werbung durch zufriedene Freiwillige

Ihre angebotenen Einsatzmöglichkeiten sollten sie insbesondere auf der Webseite der Organisation klar beschrieben veröffentlichen. Personen, die auf die Freiwilligenarbeit bei Ihnen aufmerksam werden, besuchen als erstes Ihre Webseite oder suchen den direkten Kontakt via Mail oder Telefon. 
Nicht zu vergessen ist, dass zufriedene aktive Freiwillige die beste Werbung sind um neue Freiwillige zu gewinnen. Freiwillige, die Freude an ihrem Engagement haben, sich wertgeschätzt fühlen und gut begleitet und unterstützt werden, erzählen auch ihrem Umfeld davon. Durch diese positive Mund-zu-Mund-Werbung können ebenfalls neue Freiwillige gewonnen werden.