Während des Engagements

Anerkennung

Eine gute Anerkennungskultur ist für eine Organisation ein wichtiger Faktor, um die Freiwilligen zu motivieren und längerfristiges Engagement zu fördern. Das Engagement von Freiwilligen ist keine Selbstverständlichkeit und sollte regelmässig verdankt und wertgeschätzt werden (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 158).

Anerkennung ist individuell

Es ist ein menschliches Bedürfnis, als Person wahrgenommen und anerkannt zu werden. Ein wertschätzendes Arbeitsklima ist ausschlaggebend für eine Anerkennungskultur. 
Anerkennung wird allerdings sehr individuell wahrgenommen und hängt stark von den Bedürfnissen und der Motivation einer Person ab (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 158). Nicht alle Freiwilligen schätzen formelle Anlässe, diese können sogar Stress auslösen und umgekehrt sind nicht alle Freiwilligen zurückhalten und bescheiden und freuen sich still über eine handgeschriebene Geburtstagskarte (vgl. Van Schie/Güntert/Wehner 2015: 135, 136; Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 66). 
Die Anerkennungskultur einer Organisation muss dieser Individualität der Freiwilligen gerecht werden, um die Fortsetzungsintention der Freiwilligen zu fördern. Dabei kann es hilfreich sein die Freiwilligen möglichst gut zu kennen. Eine Möglichkeit um sich darüber Gedanken zu machen ist eine Ist-Soll Analyse. Dafür listen Sie alle bisherigen Anerkennungsformen auf und überlegen sich, ob und wie diese bei den Freiwilligen ankommen. Dafür können Sie bei Gelegenheit auch bei den Freiwilligen selbst nachfragen. Gibt es weitere Formen der Anerkennung, die Sie noch einführen könnten (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 159)?
 

Formen der Anerkennung

Anerkennung ist vielfältig und kann zu verschiedensten Zeiten im Verlauf eines Engagements von Seiten der Begünstigten, der bezahlten Mitarbeitenden, anderer Freiwilliger oder von Freunden, Familie und Bekannten ausgehen. Für Freiwillige, die ihre Freizeit und Energie zur Verfügung stellen, müssen kreative Formen der Ent“lohn“ung gefunden werden. 

Anerkennung im Freiwilligenalltag 

Die Anerkennung fängt bereits im alltäglichen Umgang mit den Freiwilligen an. Pflegen Sie deshalb einen wertschätzenden Umgang. Vermitteln Sie ihnen, wie wichtig ihre Einsätze und sie als Person sind. Auch kleine Zeichen der persönlichen Wertschätzung sind wichtig: Gratulieren Sie Ihren Freiwilligen zum Geburtstag oder übergeben Sie Ihnen alljährlich ein kleines Dankeschön.
Daneben sind auch attraktive Rahmenbedingungen – das heisst eine gute Infrastruktur, Versicherung und Spesen, Weiterbildung, Partizipationsmöglichkeiten, regelmässige Information, usw. – sowie spannende Einsatzmöglichkeiten, die auf die Bedürfnisse der Freiwilligen zugeschnitten sind, Ausdruck von Anerkennung.
Hier ein paar kleine Tipps, Anerkennung im Arbeitsalltag zu pflegen (vgl. DRK 2013: 63):

  • Eine wertschätzende Haltung gegenüber anderen Personen ist wichtig, dies sollte auch in der Alltagskommunikation zum Ausdruck kommen. 
  • Achten Sie sich darauf, was ihr Gegenüber an positive Eigenschaften mitbringt.
  • Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was in der Zusammenarbeit gut läuft. 
  • Bei Konflikten: Fragen Sie sich auch was neben den schlechten die guten Seiten der Situation sind.
  • Wenn Ihnen etwas Positives auffällt, bringen Sie es zum Ausdruck.
  • Loben Sie hin und wieder auch Dinge, die selbstverständlich scheinen, wie Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit.

Weitere Ideen 

Wie bereits erwähnt, ist die Form der Anerkennung individuell auf den Freiwilligen oder die Freiwillige anzupassen. Hier einige Ideen (vgl. Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013: 158, 159):

  • Ehrungen: Jubiläumsfeiern für Freiwillige, Dankesfeier, Ehrenpreis (Freiwilliger des Monats), Preis für gute Projekte, Ehrenmedaillen, Anfrage im Vorstand mitzuwirken, Einladung zu offiziellen Anlässen usw. 
  • Persönliche Wertschätzung: Blumen, persönliches Geschenk, Zeit für ein Gespräch, Lob, Geburtstagskarte, ehrliche Rückmeldung, Vertrauen, Freude zeigen, Weihnachtskarte mit Dankeschön
  • Presse und Öffentlichkeit: Artikel über Freiwillige in der Zeitung, Portraits von Freiwilligen auf der Webseite, Einladung zu öffentlichen Anlässen
  • Gemeinschaftliche Anlässe: Vereinsausflug, Einladung zum Abendessen, Gruppenreise

Erkenntnisse aus der Forschung

Volunteer Canada führte 2013 eine Studie zur Anerkennung in der Freiwilligenarbeit durch. Einerseits wurden im Rahmen der Studie Freiwillige zu ihren Präferenzen in der Anerkennung befragt, andererseits wurden Non-Profit-Organisationen befragt wie sie ihre Freiwilligen anerkennen. Obwohl die Ergebnisse nicht direkt auf die Schweiz übertragbar sind, beleuchten sie einige spannende Aspekte, die die Perspektive auf Anerkennung erweitern. Hier die drei Hauptergebnisse aus Kanada (vgl. Volunteer Canada 2015):

1.    Viele Freiwillige sind an traditionellen Anerkennungsformen nicht interessiert

  • Freiwillige werden lieber regelmässig, informell verdankt – mit einem einfachen «Dankeschön»
  • Anstelle eines formellen Anlasses, schätzen es Freiwillige mehr zu wissen, was sie mit ihrem Engagement bewirken. 
  • Freiwillige wollen mitentscheiden, wenn es um ihren Einsatzbereich geht. 
  • Freiwillige haben oft einen vollen oder unregelmässigen Terminkalender, deshalb sollte zeitliche Flexibilität in der Freiwilligenarbeit möglich sein. 
  • Freiwillige sollten die Möglichkeit haben regelmässig Feedback zu erhalten und zu geben.

2.    Eine Anerkennungsform passt nicht für alle Freiwilligen

  • Einige Freiwillige mögen öffentliche Anerkennung mit vielen Zuschauern, andere bevorzugen eine persönliche Verdankung.
  • Bieten Sie den Freiwilligen an als Referenz bei Bewerbungen Auskunft zu geben. 
  • Führen Sie eine Umfrage durch, um herauszufinden, was Ihre Freiwilligen motiviert. 
  • Organisieren Sie Weiterbildungsangebote, die die Freiwilligen bei der Kompetenzerweiterung unterstützen. 
  • Individuelle Anerkennungsformen zeigen den Freiwilligen, dass Sie sie als Person wahrnehmen und schätzen. 

3.    Eine gute Anerkennungskultur muss nicht viel kosten

  • Aussagen zu den Wirkungen die Freiwillige mit ihrer Arbeit erzielen, sind eine effektive Form der Anerkennung.
  • Lassen Sie Ihre Freiwilligen die Begünstigten kennenlernen, denen ihre Arbeit zugutekommt.
  • Anerkennen Sie Freiwillige für ihre individuellen Leistungen.
  • Nominieren Sie einen Freiwilligen oder eine Freiwillige für einen Preis.
  • Organisieren Sie informelle Treffen, um das Gemeinschaftsgefühl unter den Freiwilligen zu stärken.

Diese Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen der ETH-Studie, die herausgefunden hat, dass die Motivation der Freiwilligen unter anderem durch die positive Rückmeldung gefördert wird (vgl. Neufeind/Wehner o.J.: 8):

  • Rückmeldung durch die Tätigkeit:  Aufgaben sind so gestaltet, dass der/die Freiwillige erkennt, welche Erfolge sein/ihr Engagement bringt.
  • Rückmeldung durch andere: Andere Freiwillige, aber auch Mitarbeitende geben den Freiwilligen positive Rückmeldungen über ihre Tätigkeit. 

Anerkennung durch Staat und Gesellschaft

Im Rahmen der SRK-Strategie 2020 setzt sich das SRK dafür ein die öffentliche Anerkennung der Freiwilligenarbeit durch Staat und Gesellschaft zu fördern. 
Das SRK ist mit seinen rund 72`000 Freiwilligen die grösste Freiwilligenorganisation in der Schweiz im Bereich Gesundheit, Soziales und Rettung und trägt somit Verantwortung im Hinblick auf die Förderung und Anerkennung von Freiwilligenarbeit in der Schweiz. 
 

DOSSIER FREIWILLIG ENGAGIERT

Mit der Abgabe des DOSSIER FREIWILLIG ENGAGIERT wird die Arbeit von Freiwilligen anerkannt und nach aussen sichtbar gemacht. Die Kompetenzen und Aufgaben der Freiwilligen werden darin festgehalten. Das Dossier kann bsp. den Bewerbungsunterlagen beigelegt werden und führt zu einer Sensibilisierung von Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen für Freiwilligenarbeit. Somit trägt das DOSSIER FREIWILLIG ENGAGIERT längerfristig zu einer verstärkten Anerkennung der Freiwilligenarbeit bei.