Weiterentwicklung

Diversifizierung

Die Freiwilligenarbeit verändert sich mit dem gesellschaftlichen Wandel. Mit diesem Wandel sollte man als Organisation versuchen Schritt halten. Eine Möglichkeit dies zu tun, ist die Diversifizierung von Einsatzmöglichkeiten oder der Freiwilligen.

Neue Formen und Trends in der Freiwilligenarbeit

Freiwillige bringen heute andere Motive und Erwartungen mit. Organisationen, die nur traditionelle, regelmässige Einsatzmöglichkeiten anbieten, sehen sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert (vgl. Soziale Dienste Stadt Zürich 2014: 47). Gleichzeitig eröffnet die Frage nach neuen Formen der Freiwilligenarbeit auch die Diskussion um Grenzen der Freiwilligenarbeit. 

«Neue Freiwillige»

Heutzutage zeichnen sich die Motive von Freiwilligen zunehmend durch individuelle Interessen aus. Ein freiwilliges Engagement soll Spass machen, Kontakte mit anderen Menschen und individuelle Weiterentwicklung ermöglichen (vgl. von Schnurbein 2013: 10). Man spricht in diesem Zusammenhang von «neuen Freiwilligen», die andere Bedürfnisse mitbringen und unter anderem Folgendes bevorzugen (vgl. Soziale Dienste Stadt Zürich 2014: 47):

  • Zeitlich limitierte und klar begrenzte Einsätze
  • Projektbezogene Einsätze
  • Eine Mitarbeit, die Resultate zeigt und zu Lösungen beiträgt
  • Aufgaben, die Herausforderungen bieten und Kompetenzerwerb erlauben
  • Experimentierfelder und Unterstützung für die eigenen Ideen
  • Professionelle Begleitung und klare Rahmenbedingungen
  • Gestaltungsspielraum,  Einbezug und Mitsprache
  • Sozialen Austausch und gemeinsames Wirken

Diese Aspekte sollten insbesondere bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Einsatzmöglichkeiten oder der Weiterentwicklung bestehender Einsatzmöglichkeiten berücksichtigt werden. 

Neue Formen der Freiwilligenarbeit

Im Zuge des Wandels der Freiwilligenarbeit haben sich in den letzten Jahren neue Formen der Freiwilligenarbeit entwickelt. Es ist zu prüfen ob diese Engagementformen für die eigene Organisation in Frage kommen. Hier sind drei Beispiele: 

  • Episodische Freiwillige (Episodic Volunteering): Dabei handelt es sich um Personen, die sich temporär engagieren möchten. Vor allem jüngere Personen möchten sich zunehmend spontan, projektbezogen und ohne längere Verpflichtungen engagieren. Gefragt sind bsp. Kurzengagements in der Ferienzeit (vgl. Soziale Dienste Stadt Zürich 2014: 49).
  • Virtuelle Freiwillige (Online-Volunteering): Damit werden Personen bezeichnet, die mit Hilfe des Internets für Organisationen tätig sind. Dadurch wird ihr Engagement zeit- und ortsunabhängig. Beispiele hierfür sind Beiträge zu Wissensplattformen und Foren, Recherchearbeiten, Übersetzungen oder die Erstellung einer Webseite. Durch virtuelle Freiwilligenarbeit können Personen aus unterschiedlichen Länder zusammenarbeiten (vgl. Soziale Dienste Stadt Zürich 2014: 49, 50). 
  • Freiwilligenarbeit von Firmen (Corporate Volunteering): Grossunternehmen und KMU setzen sich im Zuge von gesellschaftlich verantwortungsvollen Unternehmertum (Corporate Social Responsibility) zunehmend für gesellschaftliche Belange und ihr soziales Umfeld ein. Häufig wird den Mitarbeitenden eine gewisse Anzahl Stunden oder Tage zur Verfügung gestellt, in denen diese Freiwilligenarbeit leisten können (vgl. Soziale Dienste Stadt Zürich 2014: 50). 

Diversifizierung

Das SRK verfolgt mit seiner Strategie 2020 das Ziel die Anzahl und Diversität seiner Freiwilligen und Jugendlichen zu erhöhen und sie für ein bleibendes Engagement zu qualifizieren. Die Motive und Bedürfnisse der Freiwilligen haben sich in Verlauf der Zeit gewandelt. Ausserdem ist zu beobachten, dass die Zahl der Freiwilligen gesamtschweizerisch tendenziell abnimmt. Bei den Rotkreuz-Mitgliedorganisationen sieht dies leicht anders aus. Zwar ist in den Rotkreuz-Rettungsorganisationen die Anzahl der Freiwilligen in den letzten Jahren zurückgegangen (Einsatzbereiche Erste Hilfe), jedoch in den Rotkreuz-Kantonalverbänden (Einsatzbereiche Soziales und Gesundheit) konstant geblieben bzw. leicht gestiegen. Trotzdem ist es auch für das SRK längerfristig wichtig die Freiwilligeneinsätze zu diversifizieren und neue Gruppen von Freiwilligen anzusprechen. Nur so besteht die Chance, der Tendenz zur Abnahme der Freiwilligenzahlen entgegenzuwirken (vgl. SRK 2014: 9). 

Wie funktioniert Diversifizierung?

Indem Freiwilligen alternative Einsatzmöglichkeiten und/oder neue Einsatzbereiche geboten werden, können einerseits bereits aktive Freiwillige (noch) stärker an die Organisation gebunden werden, andererseits können neue Ziel- und Altersgruppen von Freiwilligen angesprochen werden. Damit eine Organisation auch in Zukunft innovative Lösungen für lokale Bedürfnisse schaffen und Freiwilligen attraktive Einsatzmöglichkeiten bieten kann, müssen die Einsatzbereiche der Freiwilligen und deren Gestaltung den veränderten Motiven der Freiwilligen und sich ändernden Lebensumständen angepasst werden (vgl. SRK 2014: 9).
Es bestehen drei Möglichkeiten zur Diversifizierung:

  • Diversifizierung der Einsatzmöglichkeiten in bestehenden Dienstleistungen: Die Arbeitsteilung zwischen Freiwilligen und Angestellten kann bsp. überdacht und neu organisiert werden. Freiwillige können andere oder weitere Aufgaben übernehmen, z.B. Aufgaben wie Networking, Projektarbeit, Administratives oder Unterstützung der anderen Freiwilligen. Es empfiehlt sich auf die Bedeutsamkeit der Aufgabe und die Aufgabenvielfalt zu achten (vgl. SRK 2014: 9). Einige Freiwillige übernehmen mit der Zeit gerne mehr Verantwortung.
  • Diversifizierung der Einsatzmöglichkeiten mit neuen Dienstleistungen: Bei der Entwicklung neuer Dienstleistungen soll immer geprüft werden, ob und wie Freiwillige sinnvoll einbezogen werden können. Es muss geklärt werden welche Einsatzgebiete möglich sind und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind (vgl. SRK 2014: 10).
  • Diversifizierung der Zielgruppen: Es gibt einige Zielgruppen, die Sie vielleicht noch nicht ansprechen mit bestehenden Einsatzmöglichkeiten. Denkbar sind: bald Pensionierte, Migrantinnen und Migranten, Jugendliche, Expats, Fachspezialistinnen und Fachspezialisten oder Corporate Volunteers (vgl. SRK 2014: 10). Wenn Sie diese Zielgruppen erreichen wollen sind spezifische Überlegungen zu geeigneten Einsatzmöglichkeiten und zur Anwerbung nötig.